Couchsurfing: Was steckt hinter dem Hype?

Rene Egli Windsurf Boards

Eine ganz besondere Art des Reisens

„Couchsurfing“ – die meisten von uns haben den Begriff mit Sicherheit schon einmal irgendwo gehört. Kein Wunder, schließlich berichten bereits seit Jahren Magazine, Blogs und Zeitungen über den nicht mehr ganz so jungen Reisetrend. Völlig zu Recht, denn meiner Meinung (und auch eigener Erfahrung) nach ist Couchsurfing nicht nur eine sehr günstige, sondern auch eine spannende Art des Reisens, die oft mit einmaligen Erlebnissen und Erfahrungen verbunden ist.

Das Wichtigste beim Couchsurfen: Sympathiepunkte sammeln

Selbst ausprobiert habe ich das soziale Gastfreundschaftsnetzwerk couchsurfing.org, in dem sich reisebegeisterte und weltoffene Menschen suchen und finden. Die Plattform verfolgt das Ziel, Reisende und Gastgeber zusammenzubringen.

 

 

Spanish and Surf, Casa Carmen in CorralejoUnd das funktioniert folgendermaßen: Wer auf der Suche nach einer kostenlosen Unterkunft ist oder selbst eine zur Verfügung stellen möchte, erstellt ein möglichst aussagekräftiges Nutzerprofil. Wie überall im Internet gilt auch hier: Content schafft Vertrauen. Um andere Nutzer davon zu überzeugen, dass sie es nicht mit einem Irren zu tun haben, solltet ihr deshalb ein paar Dinge von euch preisgeben.

 

Besonders vertrauenerweckend ist natürlich ein sympathisches Profilbild, das euch selbst gut zeigt. Außerdem könnt ihr andere Mitglieder über euer Alter und Geschlecht, euren Beruf, eure Ausbildung und eure Heimatstadt informieren. Wer möchte kann außerdem einen aussagekräftigen Text über sich selbst verfassen.

 

Neben persönlichen Dingen müsst ihr natürlich auch ein paar praktische Angaben machen. Zum Beispiel ob ihr selbst gerade einen Schlafplatz zur Verfügung habt und wie viele Personen ihr aufnehmen könnt, ob ihr nur Jungs oder nur Mädels möchtet, ob Rauchen erlaubt ist und ob ihr auch für Kinder oder Haustiere den Gastgeber spielen würdet.

Und so findet ihr den passenden „Host“

Wenn ihr selbst gerade auf der Suche nach einer Unterkunft seid, könnt ihr über die Suchfunktion die gewünschte Stadt oder auch ein ganzes Land auswählen. Zusätzlich könnt ihr euer Ankunfts- und Abreisedatum angeben.

 

Bücherregal und Kunst bei Spanish and SurfBevor ihr zu den Suchergebnissen weitergeleitet werdet, müsst ihr noch einen kurzen Text (mind. 100 Zeichen) für eure potenziellen Gastgeber verfassen. Hier könnt ihr beispielsweise erzählen, was ihr unternehmen möchtet oder auch ein paar Fragen stellen. Wer keine konkreten Pläne hat, kann sich über „Skip to Search“ überraschen lassen, denn hier werden alle freien „Couches“ angezeigt.

 

Die Ergebnisliste könnt ihr im nächsten Schritt noch weiter verfeinern. Zu sehr solltet ihr sie allerdings nicht einschränken – das könnte einen Gastgebermangel zur Folge haben. Besonders wichtig ist natürlich die Option „Has Couch“. Viele Nutzer geben hier nur „Maybe“ anstatt „Yes“ oder „Definitely“ an. Das hat den Grund, dass sie ihre potenziellen Gäste erst einmal genau unter die Lupe nehmen möchten, bevor sie ihnen einen Schlafplatz anbieten.

 

Wenn ihr nicht alleine unterwegs seid, solltet ihr bei „Allowing at least“ die Personenzahl in eurer Gruppe angeben. Je mehr ihr seid, desto schwieriger wird es natürlich. Denn wer möchte schon eine ganze Meute Backpacker bei sich beherbergen? Große Gruppen solltet ihr deshalb lieber aufteilen. Wer möchte, kann außerdem konkret nach Gastgebern mit Bild oder auch nur nach Frauen bzw. nur nach Männern suchen.

 

Danach könnt ihr in Ruhe durch die Suchergebnisse scrollen und einem oder mehreren „Hosts“ eine nette Nachricht schreiben. Dabei solltet ihr unbedingt darauf achten, dass euer Text nicht von der Stange ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass euch eine Couch angeboten wird, liegt deutlich höher, wenn ihr ein paar persönliche Zeilen schreibt und der potenzielle Gastgeber merkt, dass ihr etwas Zeit in die Kontaktaufnahme investiert habt.

Couchsurfing ist immer wieder ein Erlebnis

Miramar Cesar Thalasso DjerbaNatürlich gibt es mittlerweile auch andere Plattformen, wie beispielsweise hospitalityclub.org, die das gleiche Ziel verfolgen wie couchsurfing.org. Andere Anbieter habe ich persönlich allerdings noch nicht ausprobiert. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Ich selbst habe mit Couchsurfen viele gute Erfahrungen gemacht, als ich nur mit einem Rucksack bepackt durch Neuseeland und Australien gereist bin.

 

Gerade in diesen Ländern sind die Menschen besonders offen und gastfreundlich. So hatte ich auch kurzfristig nie Probleme, einen netten Gastgeber zu finden. Ich habe auf diese Weise viele tolle Leute kennengelernt, mit denen ich bis heute in Kontakt stehe. Trotzdem hat das Couchsurfing natürlich nicht nur Vorteile. Deshalb habe ich euch hier mal ein paar Pros und Contras aufgelistet:

Pro Couchsurfing

Ein Schlafplatz für lau:

Einer der größten Vorteile von Couchsurfing liegt natürlich auf der Hand: Ihr könnt völlig kostenlos überall auf der Welt übernachten. Insbesondere in teuren Städten wie beispielsweise Sydney, New York, Tokio oder London ist das natürlich ein Riesenvorteil, da hier sogar die Preise für einfache Hostels von vielen Backpackern kaum zu stemmen sind.

Neue Leute kennenlernen:

Beim Couchsurfen lernt ihr jede Menge neue Leute kennen, die in der Regel freundlich, offen und unternehmungslustig sind. Diese Art des Reisens eignet sich deshalb ganz besonders für Alleinreisende, die abends nicht alleine in der Bar oder im Hotelzimmer sitzen möchten.

Infos aus erster Hand:

Beim Couchsurfing seid ihr mit Einheimischen unterwegs und erhaltet Tipps zum Sporteln, Ausgehen, Sightseeing oder Shoppen aus erster Hand. Gegenüber anderen Reisenden habt ihr damit einen entscheidenden Vorteil, denn die wirklichen Insiderinformationen findet man meistens nicht im Reiseführer.

Contra Couchsurfing

Ihr müsst euch anpassen:

Hotel Kaiserhof Kitzbühel ZimmerBeim Couchsurfen ist es natürlich besonders wichtig, bei euren Gastgebern einen guten Eindruck zu hinterlassen. Konkret bedeutet das, dass ihr vielleicht auch einmal auf einen Vorschlag eures „Hosts“ eingehen solltet, auf den ihr gerade überhaupt keine Lust habt. Wer nur den Schlafplatz nutzen aber abgesehen davon sein eigenes Ding durchziehen möchte, macht sich schnell unbeliebt.

Verzicht auf Privatsphäre:

Oft werdet ihr beim Couchsurfing im Zimmer eures Gastgebers bzw. in dessen Wohnzimmer einquartiert, da kein separates Gästezimmer zur Verfügung steht. In dem Fall könnt ihr euch natürlich wesentlich weniger ungezwungen bewegen als es zum Beispiel in einem Hotelzimmer möglich wäre.

Abhängigkeit vom Gastgeber:

Wenn ihr euch einen Schlafplatz bei einem „Host“ sichert, begebt ihr euch gewissermaßen in eine Abhängigkeit. Da er durch seine Zusage zu nichts verpflichtet ist, kann der Gastgeber euch jederzeit absagen oder euch bitten zu gehen, wenn ihm etwas Wichtiges dazwischenkommt oder die Chemie ganz einfach nicht stimmt.

Ein gewisses Restrisiko bleibt:

Beim Couchsurfing schlaft ihr in der Privatwohnung eines völlig unbekannten Menschen. Aus diesem Grund solltet ihr euch vor eurem Besuch bestmöglich absichern: Lest die Bewertungen und Kommentare, die andere Nutzer über diesen Couchsurfer verfasst haben, studiert sein Profil und sagt auf jeden Fall einem engen Freund oder einem Familienmitglied Bescheid, wann, wo und bei wem ihr gerade übernachtet.

Fazit: No Risk, no Fun!

Wenn ich mir meine Auflistung so ansehe, scheinen die negativen Punkte tatsächlich zu überwiegen. In der Praxis ist das aber definitiv nicht der Fall. Solange ihr auf euren gesunden Menschenverstand hört und einige Grundregeln beachtet, könnt ihr beim Couchsurfen einige der besten Erfahrungen eures Lebens machen. Verlasst euch aber nicht völlig auf diese Art des Reisens. Am meisten Spaß bringt euch höchstwahrscheinlich eine gute Mischung aus Couchsurfing und Übernachtungen in Hostels, B&Bs oder Hotels.

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