Heute wird’s persönlich und ich habe lange überlegt, ob ich diesen Artikel überhaupt veröffentlichen soll. Aber ehrlich gesagt glaube ich, dass es da draußen ganz viele Menschen gibt, denen es genauso geht wie mir. Was sollen wir tun, wenn es in unserem Leben zwei große Lieben gibt? Die eine für die Person, mit der wir alt und grau werden wollen. Die andere für das Reisen – und die hört einfach nicht damit auf, uns immer wieder mit dem Fernwehvirus zu infizieren.

Chronisches Fernweh nervt auch irgendwann

Ich kenne eigentlich keinen Menschen, der nicht gerne verreist. Ich denke, Fernweh ist uns angeboren. Denn wir sind von Natur aus neugierig. Entdecker, Sucher und Finder. Aber nur bei einer Handvoll Menschen geht die Lust aufs Reisen so weit, dass sie das komplette Leben bestimmt. Ich gehöre leider dazu. Und ich sage ganz bewusst leider, denn wenn ich heute mit dem Finger schnipsen und mein ständiges Fernweh für immer kurieren könnte, würde ich es wohl tun.

Ich wäre so gerne zufrieden mit einem festen Job, zwei schönen Urlauben im Jahr, einer netten Eigentumswohnung in München und vielleicht auch einem Hund. Anders als viele andere Blogger und digitale Nomaden schaue ich nicht mitleidig auf die Menschen herab, die ein solches Leben führen. Ganz im Gegenteil: Ich beneide sie sogar.

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Warum kann ich nicht einfach alles haben?

Aktuell scheint das alles für mich unerreichbar. Denn wer ständig reist, hat weder Zeit noch Geld, zu Hause ein bequemes Leben aufzubauen. Und dabei hat in München alles so gut angefangen: Nach eineinhalb Jahren in Neuseeland, Australien und Südostasien war ich bereit, dem Ruf der Vernunft zu folgen. Ein Volontariat in einer PR-Agentur, ein paar neue Kontakte und plötzlich ein gut bezahlter Job in einem großen Unternehmen. Die erste eigene Wohnung, ein fester Freund, eine Mitgliedschaft im Sportverein und eine profitable Altersvorsorge. Leben, wie es sein sollte.

Fast drei Jahre habe ich es ausgehalten, bis sich die bösen Gedanken wieder eingeschlichen haben: „Jetzt sitzt du hier auf diesem Bürostuhl, bis du stirbst.“ – „Eigentlich will ich gar keine Beförderung, dann muss ich ja noch mehr arbeiten.“ – „Ist das wirklich alles?“ – „Ich will, dass mein Leben etwas bedeutet.“

Kokosnuss im Sand Dominikanische Republik

Und dann war auf einmal alles anders

Am Ende habe ich nur noch fürs Wochenende gelebt und war sogar im Urlaub deprimiert, weil ich wusste, dass ich bald wieder im Büro sitzen muss. Viele von euch werden jetzt sagen: „Dann hatte sie wohl den falschen Job.“ Aber leider war das auch nicht die Ursache. Ich hatte einen tollen Job, nette Kollegen und faire Vorgesetzte, die es mir ermöglicht hätten, mich in jede erdenkliche Richtung zu entwickeln. Die einzige Richtung, die ich einschlagen wollte, war allerdings der Ausgang.

Wie das Drama ausgegangen ist, wissen die meisten von euch schon: Kündigung, ein paar längere Reisen, ein Teilzeitjob als Flugbegleiterin und die ersten Schritte in die Selbständigkeit. Ich habe jetzt weniger Geld, dafür aber viel mehr Zeit. Und bin ich jetzt glücklicher? Auf jeden Fall. Obwohl ich doch so einiges vermisse. Zum Beispiel einen geregelten Alltag (das Gras auf der anderen Seite ist eben doch immer grüner), Mittagspausen mit den coolsten Kollegen und natürlich hemmungslose Shoppingtouren ohne schlechtes Gewissen.

Den gemeinsamen Alltag gibt’s nicht mehr

Mit der neu gewonnenen Reisezeit hat sich allerdings ein neues, riesengroßes Problem aufgetan: Die ständige Trennung auf Zeit von meinem Freund. Denn der ist „leider“ glücklich in seinem Vollzeitjob und hat auch keinerlei Intentionen, alles hinzuschmeißen und mit mir auf Reisen zu gehen. Und so fahren wir zwar so oft wie möglich zusammen in den Urlaub – genauso oft bin ich aber auch alleine unterwegs.

Ich sitze gerade im Flieger nach Island, während ich diese Zeilen schreibe. Direkt danach geht’s weiter zur ITB nach Berlin. Er sitzt zu Hause und konkret bedeutet das, dass wir uns wieder zwei Wochen nicht sehen. Ich muss zugeben, dass mir sogar diese relativ kurze Zeit ziemlich schwer fällt. Richtig schlimm wird es aber immer dann, wenn ich länger unterwegs bin. Als ich im Oktober alleine nach Bangalore geflogen bin, hat es mir fast das Herz zerrissen. Um ehrlich zu sein, war ich am Flughafen sogar ganz kurz davor, in den Flieger Richtung Heimat zu steigen.

Fernweh: Playa Bonita auf der Halbinsel Samana, Dominikanische Republik

Vergessen und vergessen werden

Das schlimmste an der Trennung auf Zeit ist aber nicht der Abschied an sich. Viel schlimmer ist es, mitanzusehen, wie die anfangs noch so heiße Liebe mit jedem Tag ein paar Grad runterkühlt. Während man am Anfang noch ständig Kontakt hält und sich alles erzählt, werden die Gespräche nach und nach kürzer und inhaltsloser. Die vielen neuen Eindrücke und Bekanntschaften lassen uns irgendwann fast vergessen, dass zu Hause noch jemand auf uns wartet.

Ich habe schon von vielen Paaren gehört und gelesen, deren Beziehung die Langzeitreise nicht überstanden hat. Und auf meiner letzten Reise habe ich gelernt, dass ich leider auch nicht immun dagegen bin. Es braucht unglaublich viel Energie und Durchhaltevermögen, die Liebe auf Distanz am Leben zu erhalten. Und wenn man endlich wieder nach Hause kommt, liegt die Trennung oft wochenlang wie ein dunkler Schatten auf der Beziehung.

Und wenn man am Ende ganz allein dasteht?

Ich habe leider auch keine Tipps für euch, wie ihr das verhindern könnt. Natürlich ist es wichtig, regelmäßig Kontakt zu halten. Aber oft ist das viel leichter gesagt als getan. In einer perfekten Welt wäre mein Freund natürlich genauso fernwehgeplagt wie ich. Aber die Realität sieht nunmal anders aus und Menschen sind und bleiben verschieden.

Ein Dilemma, denn eigentlich möchte ich weiter lange und viel reisen. Vielleicht sogar bald mal wieder ein paar Monate im Ausland leben und arbeiten. Aber ist es das wirklich wert, dafür immer wieder die Beziehung aufs Spiel zu setzen? Bin ich vielleicht zu egoistisch, zu unemphatisch? Würde ich mich nicht selbst auch furchtbar fühlen, wenn mich mein Freund immer wieder monatelang allein lassen würde? Denn für den Daheimgebliebenen ist die Situation natürlich immer noch viel schlimmer.

Für mich ist die Vorstellung ganz schrecklich, auf das Reisen verzichten zu müssen. Aber genauso schrecklich ist der Gedanke, dass ich irgendwann alleine sterbe und in einer Singlewohnung von meinen fünf Katzen aufgefressen werde. Meine Großeltern würden mich für dieses „First World Problem“ mit Sicherheit belächeln. Und trotzdem ist es ein Problem, das unsere Generation und die Generationen nach uns noch eine Weile beschäftigen wird. Denn mit all den Freiheiten, die uns die moderne Welt bietet, geht auch eine große Gefahr einher: Einsamkeit.

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Fernweh: Dominikanische Republik Blick auf die Halbinsel Samana

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