Zuletzt überarbeitet am 4. Januar 2026 von Franzi

Ihr Lieben, Corona hat uns immer noch fest in der Hand und es wird Zeit für ein neues Hobby. Während sich immer mehr Menschen an Stricken, Backen oder Heimwerken wagen, habe ich heute einen konstruktiveren Vorschlag für euch. Wie wärs denn mal mit Alkohol? Der passt erstens viel besser zu Krisensituationen und erfordert zweitens weder Motivation noch Disziplin. Eine Win-win-Situation, wenn ihr mich fragt. Wenn euch Bier und Wein aber nach zwei Monaten Ausgangssperre schon zum Hals raushängen, möchte ich zur Abwechslung mal einen neuen Favoriten in den Ring werfen: Den guten alten Whisky. Und wie der Zufall es so will, war ich vor kurzem in Schottland unterwegs und habe dort alles wichtige zum Thema Whisky Verkostung gelernt.


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Von Whisky hatte ich lange keine Ahnung

Ich muss gestehen, dass sich meine einzigen Erfahrungen mit Whisky bisher auf feuchtfröhliche Abende in den Pubs von München beschränkt haben. Nach zwei oder drei Bier hatte dann oft einer am Tisch die Idee, eine Runde Whisky zu bestellen. Der Kellner kam dann oft mit einer seitenlangen Karte mit rund hundert Sorten, von denen ich natürlich keine einzige kannte, geschweige denn probiert hätte.

Wenn wir nicht gerade einen Whisky Kenner mit am Tisch hatten, haben wir uns immer auf die Empfehlung der Barkeeper verlassen. Geschmeckt hat es mir mal so mal so – oft war ich auch schon zu angetrunken, um überhaupt irgendetwas herauszuschmecken.

Bis vor ein paar Wochen hätte ich euch deshalb nicht einmal sagen können, ob ich Whisky nun mag oder nicht. Aber dann ging ich auf die erste Schottlandreise meines Lebens – und plötzlich war alles ganz anders. In ein paar Tagen habe ich hier mehr über Whisky gehört und gelernt, als in meinen 32 vorherigen Lebensjahren. Dass ich mich durch das gigantische Angebot auch fleißig durchprobiert habe, muss ich an dieser Stelle wohl nicht extra erwähnen.

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Whisky Tasting beim Profi: Das Whisky Castle in Tomintoul

Besonders aufschlussreich war ein Besuch im berühmten Whisky Castle. Der Spirituosenladen ist im wunderschönen Örtchen Tomintoul im Cairngorms Nationalpark beheimatet – ein malerisches Setting in den schottischen Highlands. Das Familienunternehmen besteht seit über 100 Jahren. Heute sind es Sam und Scott, die sowohl im Laden als auch online über 600 verschiedene Malt-Whiskys anbieten. Viele davon sind Einzelfassabfüllungen (Single Casks), stammen aus kleinen Chargen oder von unabhängigen Abfüllern.

Kunden und interessierte Besucher können sich im Whisky Castle an ein Whisky Tasting wagen. Und auch wenn man sich vom Angebot im ersten Moment erschlagen fühlt, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass am Ende der ganz persönliche Lieblingswhisky ins Reisegepäck wandert. Wir haben zusammen mit Scott fünf verschiedene Single Malts verkostet und dabei ein paar wichtige Grundlegen für ein Whisky Tasting gelernt.

Schritt 1 der Whisky Verkostung: Sehen

Bei einer Whisky Verkostung kommen alle Sinne ins Spiel. Als erstes sind eure Augen dran. Schenkt euch einen Schluck ein, haltet das Glas gegen das Licht und schaut euch den Whisky gut an. Die Farbe kann hell und fast durchsichtig bis hin zu dunkel und bernsteinfarbig sein. 

Eine helle Tönung deutet auf eine Lagerung im amerikanischen Bourbonfass hin, eine rötliche oder dunklere Farbe auf ein Sherryfass aus europäischer Eiche. Das Alter des Whiskys lässt sich dadurch aber nicht unbedingt feststellen, da die meisten schottischen Single Malts nachgefärbt werden.

Jetzt könnt ihr den Whisky im Glas ein bisschen herumschwenken und auf die Bewegung der Textur und die Spuren am Glasrand achten. Ölige „Legs“ deuten auf eine dicke Textur und eine hohe Dichte an Aromen hin. Außerdem steigt die Dicke der Textur mit dem Alkoholgehalt des Whiskys.

Schritt 2 der Whisky Verkostung: Riechen

Nachdem ihr euren Whisky ausgiebig begutachtet habt, dürft ihr das Glas jetzt zur Nase führen. Aber Vorsicht, nicht zu dicht – brennt es in eurer Nase, seid ihr zu nah dran. Wenn ihr an eurem Whisky riecht, solltet ihr den Mund geöffnet lassen, um die Noten besser zu identifizieren.

Einige Whisky-Kenner schwenken das Glas dabei ähnlich wie bei einer Weinprobe. Andere sind der Meinung, dass sich auf diese Weise der Alkohol löst und andere Aromen überdeckt. Möglicherweise identifiziert ihr rauchige, torfige oder tabakartige Noten – vielleicht macht ihr aber auch einen süßlichen oder nussigen Geruch aus. Wenn ihr möchtet, macht euch ein paar Notizen zum Geruch.

Schritt 3 der Whisky Verkostung: Schmecken

Nippt jetzt an eurem Whisky und lasst ihn auch auf Zunge und Gaumen laufen. Wenn ihr wollt, könnt ihr ihn auch ein bisschen hin und her bewegen, sodass die ganze Mundhöhle den Geschmack abbekommt – die Aromen wirken immer besser, wenn ihr den Whisky nicht direkt herunterschluckt sondern ihn für eine Weile im Mund behaltet.

Dann beginnt die Fragerunde: Was schmeckt ihr? Ist der Geschmack süß, mild, würzig oder rauchig? Könnt ihr Früchte, Holz oder den Einfluss des Fasses (zum Beispiel Sherry oder Bourbon) identifizieren?

Auch beim Mundgefühl gibt es große Unterschiede. Es kann beispielsweise cremig, weich oder seidig sein – aber auch leicht, schwebend oder filigran. Whisky-Kenner teilen die Aromen in vier Phasen auf: Auftakt, Mittelteil, Abgang und Nachhall.

Nach dem ersten Schluck könnt ihr ein bisschen Wasser (am besten kein Leitungswasser sondern stilles, natriumarmes Mineralwasser) in den Whisky geben. Idealerweise mit einer Pipette, denn es dürfen wirklich nur ein paar Tropfen sein. Probiert jetzt nochmal und überlegt, ob ihr durch die verdünnten Aromen einen Unterschied feststellen könnt.

Schritt 4 der Whisky Verkostung: Abgang

Zum Schluss könnt ihr noch darauf achten, was nach dem Schlucken in eurem Mund und eurer Speiseröhre passiert. Fühlt es sich warm an oder kribbelt es sogar? Eventuell spürt ihr sogar ein kleines Stechen, das richtig unangenehm sein kann.

Wichtig ist es jetzt, bei der nächsten Einatmung noch einmal nachzuschmecken. Bestätigt sich eure vorherige Geschmackseinschätzung oder entdeckt ihr vielleicht noch ein oder zwei andere Aromen? Schmeckt ihr den Whisky noch lange nach, ist das ein guter Hinweis für seine hohe Qualität.

Whisky Verkostung in Schottland: Tipps fürs Whisky Tasting in 4 Schritten - Whisky Castle in Tomintoul

Was ihr sonst noch zur Whisky Verkostung wissen solltet

Eure eigenen Eindrücke könnt ihr natürlich auch mit den Angaben des Herstellers vergleichen. Werft dazu einfach einen Blick auf die Flasche oder den Karton – hier werden oft die Aromen beschrieben.

Grundsätzlich gilt aber auch: Es gibt bei einer Whisky Verkostung kein richtig oder falsch – wie überall im Leben sind auch hier die Geschmäcker und Wahrnehmungen verschieden. Je mehr verschiedene Whiskys ihr im Laufe der Zeit probiert, desto deutlicher werdet ihr die unterschiedlichen Geschmacksnuancen wahrnehmen.

Lasst euch nicht abschrecken, wenn euch der Whisky am Anfang überhaupt nicht schmeckt. Wie bei Kaffee, Matcha oder Wein hat auch der Single Malt einen absolut einzigartigen Geschmack, an den wir uns erstmal gewöhnen müssen. Mir haben jedenfalls die paar Tage in Schottland schon geholfen, um einen ganz anderen Blick für die vielen verschiedenen Whisky Sorten zu bekommen.

Cairngorms Nationalpark: Die SnowRoads Scenic Route in den Highlands - Whisky Tasting im Whisky Castle

10 häufig gestellte Fragen rund um das Thema Whiskey

Was ist Whiskey überhaupt?
Whiskey ist eine Spirituose, die aus Getreide hergestellt, vergoren, destilliert und anschließend in Holzfässern gereift wird. Geschmack und Charakter entstehen durch Getreidesorte, Destillation, Fasslagerung und Reifezeit.

Was ist der Unterschied zwischen Whiskey und Whisky?
Die Schreibweise hängt vom Herkunftsland ab. In Irland und den USA wird meist Whiskey geschrieben, in Schottland, Kanada und Japan Whisky. Am Produkt selbst ändert die Schreibweise nichts.

Welche Whiskey-Sorten gibt es?
Zu den bekanntesten Sorten zählen Scotch Whisky, Irish Whiskey, Bourbon, Rye Whiskey und Japanese Whisky. Sie unterscheiden sich vor allem in Rohstoffen, Herstellung und Reifung.

Wie lange muss Whiskey reifen?
Das ist je nach Land geregelt. Scotch Whisky und Irish Whiskey müssen mindestens drei Jahre im Fass reifen, Bourbon hat keine feste Mindestdauer, wird aber fast immer mehrere Jahre gelagert.

Warum spielt das Fass beim Whiskey eine so große Rolle?
Ein großer Teil des Geschmacks entsteht im Fass. Holzart, Vorbelegung des Fasses und Reifezeit beeinflussen Aromen wie Vanille, Karamell, Rauch oder Gewürze maßgeblich.

Was bedeutet Single Malt beim Whiskey?
Single Malt bezeichnet einen Whiskey, der aus einer einzigen Destillerie stammt und ausschließlich aus gemälzter Gerste hergestellt wird. Er kann aus verschiedenen Fässern stammen, aber immer aus derselben Brennerei.

Ist älterer Whiskey automatisch besser?
Nein, ein höheres Alter bedeutet nicht zwingend bessere Qualität. Manche Whiskeys verlieren bei zu langer Reifung an Balance, während jüngere Abfüllungen sehr komplex und harmonisch sein können.

Wie trinkt man Whiskey richtig?
Es gibt kein richtig oder falsch. Viele trinken Whiskey pur, andere mit ein paar Tropfen Wasser, um Aromen zu öffnen. Eis wird oft bei Bourbon oder Longdrinks verwendet, ist aber Geschmackssache.

Warum schmeckt manche Whiskey rauchig?
Rauchige Aromen entstehen meist durch das Trocknen des Malzes über Torffeuer. Besonders schottische Whiskeys von Inseln oder der Küste sind für diese Rauchigkeit bekannt.

Wie sollte man Whiskey lagern?
Whiskey sollte stehend, dunkel und bei gleichmäßiger Temperatur gelagert werden. Direkte Sonneneinstrahlung und starke Temperaturschwankungen können die Qualität beeinträchtigen.

Whisky Verkostung in Schottland: Tipps fürs Whisky Tasting in 4 Schritten - Whisky Castle in Tomintoul

Offenlegung: Zu dieser Reise wurde ich von Visit Cairngorms eingeladen. Meine Meinung bleibt dadurch wie immer unbeeinflusst.