Flieger ABC: 53 spannende Begriffe aus der Fliegersprache

„All Doors in Flight“, „PAX Call“ oder „Galley“ – als Passagier schnappt man auf Flugreisen immer wieder merkwürdige Begriff auf, mit denen die Crews im Flieger ganz selbstverständlich um sich werfen. Wenn ich anderen Leuten von meinem Job erzähle, lasse ich immer wieder ganz unbedarft meinen Fliegerjargon mit einfließen. Dass ich genauso gut Chinesisch reden könnte, merke ich immer erst dann, wenn ich ihre verständnislosen Gesichter sehe. Für alle, die die Fliegerei genauso lieben wie ich, habe ich deshalb heute die 53 wichtigsten Begriffe aus der Fliegersprache aufgelistet.

Fliegerjargon: A wie Aircraft Change bis W wie Wheelchair

Von A wie Aircraft Change bis W wie Wheelchair: Diese 53 Begriffe gehören ganz selbstverständlich zur Fliegersprache. Nach diesem Artikel wisst ihr genau was Sache ist, wenn ihr das nächste Mal im Flugzeug kryptische Durchsagen zu hören bekommt. Wie viele davon kanntet ihr schon?

Auch wichtig zu wissen: Die Kommandos können sich von Airline zu Airline mal mehr mal weniger unterscheiden – also wundert euch nicht, wenn ihr im Flieger eine andere Version zu hören bekommt.

1. Aircraft Change

Bei einem Aircraft Change (Flugzeugwechsel) wird das Flugzeug gegen ein anderes ausgetauscht, ohne dass sich dabei die Flugnummer ändert. Das kann besonders ärgerlich für Passagiere sein, die einen bestimmten Platz im ursprünglich eingeplanten Flugzeug gebucht haben. Denn wenn auch der Flugzeugtyp ein anderer ist, bleiben beispielsweise die Sitznummern am Notausgang nicht länger bestehen. Von einem Aircraft Change spricht man übrigens auch, wenn nach einer Zwischenlandung mit einem anderen Fluggerät weitergeflogen wird.

2. All Doors in Flight

Auf das Kommando „All Doors in Flight“ stellen alle Flugbegleiter den Wahlhebel ihrer zugewiesenen Flugzeugtür von „Park“ auf „Flight“. Das bedeutet, dass im Fall einer Evakuierung beim Öffnen der Türen automatisch Notrutschen bzw. Flöße ausgebracht werden. In „Flight“ werden die Türen gestellt, nachdem der letzte Passagier eingestiegen ist und alle Türen geschlossen wurden. Einige Airlines verwenden zum Beispiel auch „All Doors to Departure“.

3. All Doors in Park

Auf das Kommando „All Doors in Park“ stellen alle Flugbegleiter den Wahlhebel ihrer zugewiesenen Flugzeugtür von „Flight“ auf „Park“. Das bedeutet, dass die Türen regulär geöffnet werden können, ohne dass Notrutschen bzw. Flöße ausgebracht werden. In „Park“ werden die Türen gestellt, sobald das Flugzeug seine Parkposition erreicht hat und die Triebwerke ausgeschaltet wurden. Einige Airlines verwenden auch „All Doors to Arrival“.

4. Attention Crew, on Station

Mit dem Kommando „Attention Crew, on Station!“ löst das Cockpit eine Alarmsituation am Boden aus. Die Flugbegleiter überwachen die Lage an ihrer zugewiesenen Flugzeugtür und bereiten sich mental auf eine mögliche Evakuierung vor. Das Flugzeug muss bereits zum Stehen gekommen sein.

5. Boarding Completed

„Boarding Completed“ bedeutet, dass der letzte Passagier eingestiegen ist. Die perfekte Gelegenheit also, um eine freie Sitzreihe zu ergattern.

6. Briefing

Vor jedem Flug halten Cockpit- und Kabinencrew zuerst separat und anschließend zusammen ein Briefing ab. Dabei werden unter anderem Besonderheiten auf dem Flug, Flugroute, Sicherheit und Service besprochen sowie die Arbeitspositionen auf dem Flieger verteilt.

7. Call Button

Der Call Button befindet sich über dem Sitz (bzw. selten auch an der Armlehne oder auf der Fernbedienung) und dient zum Rufen eines Flugbegleiters bzw. einer Flugbegleiterin.

8. Cancel Alert

Mit dem Kommando „Cancel Alert“ hebt der Kapitän die Alarmsituation (siehe „Attention Crew, on Station!“) am Boden wieder auf.

9. Cargo

Als „Cargo“ wird in der Fliegersprache die Flugzeugfracht bezeichnet – umgangssprachlich aber auch der Frachtraum.

10. Deadhead

„Deadhead“ sind Crewmitglieder, die „On Duty“ (also beruflich) auf einem Passagiersitz mitfliegen. Beispielsweise dann, wenn das Flugzeug auf dem Hinflug weniger stark gebucht ist als auf dem Rückflug oder vor Ort auf ein anderes Flugzeugmuster gewechselt wird.

11. Debriefing

Anders als das obligatorische Briefing findet das Debriefing im Anschluss an den Flug nur dann statt, wenn es besondere Vorfälle gab. Beispielsweise einen medizinischen Zwischenfall, einen Konflikt im Team oder eine Notsituation.

12. Delay

Als „Delay“ wird in der Fliegersprache jede Art von Verspätung bezeichnet.

13. Ditching

„Ditching“ bezeichnet eine sogenannte Notwasserung – eine Notlandung auf dem Wasser.

14. Diversion

Von einer „Diversion“ (Flugumleitung) spricht man, wenn das Flugzeug beispielsweise wetterbedingt oder aufgrund einer Gefahrensituation nicht auf dem ursprünglich geplanten Flughafen landet.

15. Duty Time

Die „Duty Time“ der Crew beginnt mit der Meldung zum Dienst und endet mit dem Eintreffen auf der Homebase.

16. Equipment Change

Siehe auch „Aircraft Change“

17. Finger

Als „Finger“ werden umgangssprachlich Fluggastbrücken (engl. Jetbridges) bezeichnet. Also die fahrbaren Gänge, die das Gate mit der Flugzeugtür verbinden.

18. Flugsaurier

Ein nicht ganz schmeichelhafter Begriff für Crewmitglieder, die schon seit vielen, vielen Jahren fliegen und dementsprechend eine hohe Seniorität (lange Firmenzugehörigkeit) haben. Sie sind auch als Flugdrachen bekannt.

19. FTL

Als FTLs (Frequent Travelers) werden Vielflieger bezeichnet. Sie können bei den Airlines unterschiedliche Statusränge erreichen.

20. Galley

Die „Galley“ ist in der Fliegersprache die Flugzeugküche.

21. Homebase

Die „Homebase“ ist der Flughafen, an dem das Crewmitglied stationiert ist.

22. Inbound

„Inbound“ ist der englische Begriff für „ankommend“. Er wird im Fliegerjargon unter anderem für einfliegende Flugzeuge (Inbound Plane) verwendet.

23. Infant

Als „Infants“ werden Kleinkinder unter zwei Jahren bezeichnet, die bei Start und Landung keinen eigenen Platz besetzen dürfen sondern auf dem Schoß der Eltern sitzen müssen.

24. Interphone

Als Interphone wird das Telefonsystem bezeichnet, mit dem die Crew an verschiedenen Flugzeugtüren und im Cockpit anrufen kann.

25. Jetbridge Jesus

Immer wieder erfahren Passagiere, die mit dem Rollstuhl zum Flieger gebracht wurden (und ganz dringend Hilfe beim Verstauen des Handgepäcks benötigen), während dem Flug eine wundersame Heilung. Anstatt bei der Ankunft auf den Rollstuhlservice zu warten, schnappen sie sich ihr Gepäck und laufen gesund und munter wie ein junges Reh aus der Kabine. Die Legende sagt, dass der „Jetbridge Jesus“ hier seine heilenden Finger im Spiel hat. Böse Zungen glauben dagegen, dass einige Menschen einfach keinen Bock haben, den weiten Weg zum Gate und durch die Sicherheitskontrollen auf sich zu nehmen.

26. Jumpseat/Jump

Als „Jumpseats“ werden Cockpit- und Flugbegleitersitze bezeichnet, die während Start und Landung nicht zwangsweise von der Crew besetzt werden müssen. Sie können dann von standby-fliegendem Personal und deren Angehören besetzt werden, wenn der Flug komplett ausgebucht ist. Wer auf dem Jumpseat mitgenommen wird, entscheidet der Kapitän – wobei fliegendes Personal der eigenen Airline immer Priorität hat. Jumpseat-Flieger werden auch als „Jumps“ bezeichnet.

26. Klarmeldung

Vor Start und Landung melden die Flugbegleiter ihren Kabinenbereich dem Purser bzw. der Purserette klar. Anschließend erfolgt die Klarmeldung an das Cockpit.

27. Knebel

Mit Knebeln werden im Flugzeug alle Trolleys, Boxen und Vorhänge gesichert. Auch während dem Reiseflug müssen lose Gegenstände aus Sicherheitsgründen immer verknebelt sein, wenn das Objekt gerade nicht benutzt wird.

28. Layover

Als „Layover“ wird die freie Zeit zwischen Hin- und Rückflug bezeichnet. Das Layover dient zur Erholung – die Crew hat in diesem Zeitraum keine Verpflichtungen und somit quasi Freizeit. Trotzdem läuft die Duty Time weiter, sodass die Fluggesellschaft für Hotelkosten, Hoteltransfer und Spesen aufkommen muss.

29. Local Time

In der Fliegersprache wird zwischen Local Time (Ortszeit) und UTC (koordinierte Weltzeit) unterschieden.

30. Minimum Crew

Es gibt gesetzliche Vorgaben, wie viele Türen bzw. Notausgänge bei Start und Landung besetzt sein müssen. Auf einem Airbus 321 mit vier Notausgangspaaren beträgt die Minimum Crew beispielsweise vier Crewmitglieder. Auf doppelstrahligen Flugzeugen (Großraum) sind pro Notausgangspaar sogar zwei Flugbegleiter vorgeschrieben.

31. Minimum Rest

„Minimum Rest“ bezeichnet den Zeitrahmen, den Crewmitglieder nach einem Einsatz im Layover oder an der Homebase mindestens frei haben müssen. Er hängt von der Flugdienstzeit und den durchflogenen Zeitzonen ab.

32. No-Show

Als „No-Shows“ werden in der Fliegersprache Passagiere bezeichnet, die nicht rechtzeitig zum Check-in oder später am Gate auftauchen. Ihr Platz bleibt dementsprechend leer. Auf fehlende Passagiere wird nur in Ausnahmesituationen gewartet.

33. Off Blocks

Als Off Blocks wird die Zeit nach dem Verlassen der Parkposition – und damit dem Lösen der Bremsklötze – bezeichnet. Sie dauert so lange an, bis nach der Landung wieder Bremsklötze angelegt sind.

34. On Blocks

Als On Blocks wird die Zeit vor dem Verlassen der Parkposition – und damit dem Lösen der Bremsklötze – bezeichnet.

35. Outbound

Outbound ist der englische Begriff für „ausgehend“. Er wird im Fliegerjargon unter anderem für ausgehende Flugzeuge (Outbound Plane) verwendet.

35. Passenger Evacuation

Das Kommando „Passenger Evacuation! Passenger Evacuation!“ aus dem Cockpit löst eine Evakuierung des Flugzeugs aus. Auch Passagiere, die am Overwing Exit (Airbus 340) oder an einem Notfenster (z.B. Airbus 319/320) sitzen, müssen dann den ihnen zugewiesenen Notausgang öffnen.

36. PAD

Als PADs werden Airlinemitarbeiter und deren Angehörige bezeichnet, die Standby auf einem Flug dabei sind.

37. PAX

Als PAX (Persons approximately) werden in der Fliegersprache die Passagiere bezeichnet.

37. PAX Call

Umgangssprachlich für einen Passagierruf vom Sitz oder aus der Toilette.

38. Pots

Im Fliegerjargon sind Pots die Kunststoffbehälter, in denen Essen und Getränke auf dem Trolley transportiert werden. Sie dienen auch zur Aufbewahrung in der Flugzeugküche.

39. Prepare for Landing

Das Kommando „Prepare for Landing“ erfolgt einige Minuten vor der Landung. Die Flugbegleiter führen sicherheitsrelevante Aufgaben so schnell wie möglich zu Ende und schnallen sich anschließend auf ihrem Flugbegleitersitz zur Landung an.

40. Prepare for Take-off

Das Kommando „Prepare for Take-off“ erfolgt einige Minuten vor dem Start. Die Flugbegleiter führen sicherheitsrelevante Aufgaben so schnell wie möglich zu Ende und schnallen sich anschließend auf ihrem Flugbegleitersitz zum Start an.

41. Procedure

In der Fliegerei gibt es sowohl für Standardsituationen als auch für jede „Abnormal Situation“ ein Procedure. Die Procedures sind schriftlich festgehalten, sodass in einer Notsituation (medizinischer Notfall, Rauchentwicklung etc.) eine Checkliste Schritt für Schritt abgearbeitet werden kann. Auch im Cockpit sind Procedures allgegenwärtig.

42. Purser

Purser bzw. Purserette ist in der Fliegersprache die Berufsbezeichnung des Kabinenchefs bzw. der Kabinenchefin.

43. Pushback

Als Pushback wird in der Fliegersprache das Zurückstoßen eines Flugzeuges bezeichnet, das mit dem Bug an einem Flugplatzgebäude steht. Da die meisten Flugzeuge nicht eigenständig rückwärts rollen können bzw. dürfen, kommt dafür ein spezielles Fahrzeug (Flugzeugschlepper) zum Einsatz.

44. Quirl

„Quirle“ sind die Plastikstäbchen, mit denen ihr euren Kaffee umrühren könnt.

45. Requesten

Fast alle Airlines haben ein Requestsystem. Damit können sich Flugbegleiter für den kommenden Monat bestimmte Flüge wünschen, die sie gerne übernehmen möchten. Auch die Vergabe von Urlaub und freien Tagen erfolgt über das Requestsystem.

46. Seniorität

Die Seniorität ist die Dauer der Firmenzugehörigkeit. In der Fliegerei bemisst sich an der Seniorität nicht nur das Gehalt. Wer eine höhere Seniorität hat, hat auch Vorrang bei der Vergabe der Arbeitspositionen im Flieger sowie beim Beantragen von Urlaub und dem Requesten der Flüge im Dienstplan.

47. Special Meals

„Special Meals“ sind Sondermahlzeiten, die auf allen Langstrecken- und einigen Mittelstreckenflügen (meist kostenlos) bestellt werden können. Unterschieden wird dabei zwischen Mahlzeiten für Angehörige bestimmter Religionen (z.B. Koscher, Hindu, Halal oder Jain), Kindermenüs, Diätetische Speisen (z.B. Diabetikerkost, laktosefreie Kost, natriumarme Kost oder Reduktionskost) sowie vegetarische oder Vollwertgerichte (vegetarisch, vegan, asiatisch-vegetarisch, indisch-vegetarisch oder leichte Vollkost).

48. Standby

In der Regel sind Airlinemitarbeiter und deren Angehörige zum Standby-Fliegen berechtigt. Das bedeutet, dass sie zu stark reduzierten Preisen oder sogar kostenlos fliegen dürfen. Das gilt allerdings nur, wenn im Flugzeug ein Sitzplatz oder ggf. ein Jumpseat frei ist. Zwischen fast allen Airlines gibt es auch ein Standby-Abkommen, sodass nicht nur mit der eigenen Airline sondern auch mit Fremdairlines standby geflogen werden kann.

49. Taxiing

„Taxiing“ (Rollen) wird in der Fliegersprache die langsame Bewegung eines Flugzeuges am Boden bezeichnet. Taxiing ist notwendig, um zum Beispiel vom Vorfeld zur Startbahn zu gelangen. Anders als beim Pushback können Flugzeuge selbständig rollen.

50. Trolley

Als „Trolleys“ werden im Fliegerjargon die Wagen bezeichnet, auf denen Essen und Getränke in der Kabine transportiert sowie für den Service relevante Gegenstände verstaut werden.

51. UM

UM ist die Abkürzung für „Unaccompanied Minor“ (unbegleitetes Kind). UMs fliegen ohne ihre Eltern und werden von einem UM-Service vom Schalter bis zum Flieger gebracht. An Board sind die Flugbegleiter so lange für die unbegleiteten Kinder verantwortlich, bis sie nach der Landung wieder in die Obhut des UM-Services übergeben werden.

52. UTC

In der Fliegersprache wird zwischen Local Time (Ortszeit) und UTC (koordinierte Weltzeit) unterschieden. Für Deutschland gilt die Mitteleuropäische Zeit (MEZ), sodass je nach Zeitverschiebung eine oder zwei Stunden auf die UTC addiert werden muss.

53. Wheelchair

Als Wheelchairs werden in der Fliegersprache alle Passagiere bezeichnet, die mit einem Wheelchair-Service zum Flieger gebracht und wieder abgeholt werden. Es gibt verschiedene Wheelchair-Kategorien. Beispielsweise diejenigen, die gar nicht laufen können, diejenigen, die beim Laufen Hilfe benötigen und diejenigen, die es eigenständig von der Flugzeugtür bis zum Sitz schaffen.

Fliegerwissen: 50 Fragen an eine Flugbegleiterin

4 Antworten auf “Flieger ABC: 53 spannende Begriffe aus der Fliegersprache

  • Step

    Ja, ganz normale Ausdrücke für unsereins, wobei wir natürlich ein paar andere Kommandos verwenden…..aber im Großen und Ganzen ist mir alles ein Begriff….

    Antworten
    • Franzi

      Hi Step,

      klar, ist überall ein bisschen anders. Aber dass für dich als Flieger da nichts wirklich neues dabei ist, habe ich mir schon fast gedacht 🙂

      Wie gehts dir sonst so?

      Liebe Grüße aus Hawaii
      Franzi

      Antworten
  • Thomas

    Hallo,
    sehr schöne Zusammenstellung. Die Begriffe mit Notsituationen waren neu für mich.
    Sonst kannte ich schon vieles. Ich fliege sehr gerne.
    Lg
    Thomas

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