How to Onsen: Ein Guide für Japans heiße Quellen

Ihr Lieben, wer von euch war schon einmal in Japan? In den letzten Jahren habe ich mich mit jedem Besuch ein bisschen mehr in das Land verliebt und vermisse es jetzt in Corona-Zeiten sehr. Eines meiner absoluten Highlights in Japan sind die vielen Onsen, die ich während meiner Reise nach Kyushu so intensiv wie nie zuvor erleben durfte. Leider verzichten immer noch viele Japan-Reisende auf einen Besuch der heißen Bäder, da sie sich von der strengen Onsen-Etikette abgeschreckt und überfordert fühlen. Deshalb habe ich heute einen kleinen How-to-Onsen-Guide für euch, damit ihr für euren nächsten Trip gewappnet seid.


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Was genau sind eigentlich Onsen?

Als Onsen (japanisch 温泉, auf Karten und Schildern oft als oder (yu, heißes Wasser) dargestellt) werden in Japan ganz allgemein heiße Quellen bezeichnet. Umgangssprachlich sind mit Onsen aber fast immer Thermalbäder gemeint – oder auch Orte mit Hotels, die über eines oder mehrere von natürlichen heißen Quellen gespeiste Bäder verfügen. In der Regel sind Onsen nach Geschlechtern getrennt. Allerdings gibt es auch einige Bäder, in denen sich Frauen und Männer gleichzeitig aufhalten können.

Bei den traditionellen Onsen sind die Becken fast immer unter freiem Himmel. Modernere Einrichtungen und Hotels bieten mittlerweile aber sowohl Außen- als auch Innenbecken an. Vom ganz einfachen Onsen (jeweils ein Becken für Mann und Frau) bis hin zu regelrechten Spas mit Saunen, Massagedüsen und künstlichen Wasserfällen habe ich zum Beispiel auf Kyushu und in Tokio so ziemlich alles gesehen.

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How to Onsen: So funktioniert die Bäder-Etikette

Für den Onsen-Besuch gibt es Regeln, die ihr unbedingt einhalten solltet. In einigen Hotels findet ihr im Hotelzimmer oder am Eingang zum Spa-Bereich einen detaillierten Onsen-Guide. Falls es keinen gibt, solltet ihr euch diese Onsen-Etikette durchlesen:

  1. In den meisten Onsen werden die Schuhe direkt am Eingang ausgezogen – weiter geht es dann in Socken oder Hausschuhen.
  2. Der Eintritt wird entweder am Automaten bezahlt oder auch ganz altmodisch an der Rezeption. In den meisten Onsen kostet der Besuch zwischen 300 und 1000 Yen. Wer kein Handtuch dabei hat, kann sich fast immer eines ausleihen.
  3. Da die meisten Onsen nach Geschlechtern getrennt sind gibt es auch separate Umkleidekabinen. Die Vorhänge der Kabinen sind meist mit Kanji beschriftet. Das Kanji für Frau ist 女 und das Kanji für Mann . Oft stehen rote Vorhänge oder Türen auch für den Frauenbereich und blaue für den Männerbereich.
  4. Die Kleidung wird in den bereitgestellten Körben verstaut, für Wertgegenstände gibt es Schließfächer.
  5. Vor dem Betreten des Badebereichs könnt ihr Make-Up an den kleinen Waschbecken im Umkleidebereich entfernen.
  6. Komplett nackt geht es dann von der Kabine in den Badebereich. Mit rein kommt nur das kleine Handtuch, mit dem ihr euch ein bisschen bedecken könnt. Das größere bleibt zum Abtrocknen nach dem Bad im Korb.
  7. Vor dem Bad im Onsen wird der Körper gründlich gereinigt. Das ist nicht nur aus hygienischen Gründen wichtig sondern auch um die Qualität des empfindlichen Onsen-Wassers aufrechtzuerhalten.
  8. In den Duschanlagen wird ausgiebig geduscht – Shampoo, Conditioner und Duschgel werden meistens bereitgestellt. Seifenreste müssen unbedingt gründlich vom Körper gespült werden.
  9. Jetzt ist Entspannung angesagt: Euer kleines Handtuch könnt ihr mit ins Bad nehmen, es sollte allerdings nicht das Wasser berühren. Viele Japaner legen es sich deshalb auf den Kopf, um die Körpertemperatur ein bisschen zu regulieren.
  10. Nach dem Bad könnt ihr euch entweder mit normalem Wasser abbrausen oder den Onsen mit Resten des Thermalwassers auf der Haut verlassen. Bei der Frage, welche Methode die bessere ist, scheiden sich in Japan die Geister.
  11. Die benutzten Handtücher werden vor dem Verlassen in die dafür bereitstehenden Körbe gelegt.
  12. Ein traditionelles Getränk nach dem Onsen-Besuch ist ein Fläschchen kalte Milch, das oft an den Getränkeautomaten vor Ort gekauft werden kann.

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Was es beim Baden im Onsen zu beachten gibt

Da das Onsen-Wasser aus einer vulkanischen Quelle stammen muss, verfügt es über einen hohen mineralischen Anteil. In Kombination mit der extremen Hitze sagt man den Onsen eine heilende Wirkung nach. So können regelmäßige Bäder zum Beispiel Nerven- und Muskelschmerzen sowie die Symptome von verschiedenen Hautkrankheiten lindern. Auch bei chronischer Müdigkeit und Stress wird ein gelegentliches Abtauchen empfohlen. Ich selbst habe mich nach jedem Bad total entspannt und revitalisiert gefühlt – außerdem hatte ich während und nach der Reise ganz reine, glatte und strahlende Haut.

Wichtig ist es aber, langsam ins Wasser zu steigen. Denn die Wassertemperatur ist so hoch, dass es für Anfänger ziemlich schwer zu ertragen ist. Erst wenn sich der Körper an die Hitze gewöhnt hat, setzt die Entspannung ein. Die Japaner nutzen ihre Onsen ganz unterschiedlich: Einige von ihnen baden zum Beispiel nur 20 Minuten und steigen dann aus dem Wasser. Andere baden kürzer, duschen sich kalt ab und gehen dann zurück ins Becken. Vor allem als Anfänger solltet ihr aber darauf achten, nicht länger als 20 Minuten im Wasser zu bleiben.

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Onsen-Etikette: Sind Tattoos wirklich nicht erlaubt?

Tattoos sind in Japan eine Kunstform und werden vor allem bei jungen Leuten immer beliebter. Früher mussten die jüngeren Japaner damit allerdings dauerhaft auf einen Onsen Besuch verzichten. Denn lange Zeit waren Tätowierungen der Yakusa vorbehalten – einer Art japanischen Mafia. Bis vor wenigen Jahren galt laut Onsen-Etikette deshalb: Keine Tattoos.

Um Japans Anziehungskraft auf ausländische Touristen nicht zu trüben, nahm sich das japanische Ministerium für Tourismus vor einigen Jahren dem Problem an. In einem Schreiben an die Bäderbetreiber forderten sie eine konkrete Lockerung des Tattoo-Verbotes in öffentlichen Onsen. Seitdem gibt es drei verschiedene Arten von Bädern: Die einen halten das Tattoo-Verbot weiterhin aufrecht, die anderen stellen Pflaster zum Verdecken der Tätowierung bereit (fragt nach: Tattoo covering Stickers) und wieder andere erlauben Tätowierten vorbehaltlos den Einlass.

Meiner Erfahrung nach sind die Onsen rund um Tokio relativ entspannt. Vermutlich auch deshalb, weil die Gesellschaft hier weniger traditionell geprägt ist und Tattoos längst ihren Weg in die breite Masse gefunden haben. Auf der kleinen Insel Kyushu habe ich dagegen fast durchgängig No-Tattoo Schilder an den Onsen gesehen. Da man bei westlichen Touristen aber nicht unbedingt von einer Gangzugehörigkeit ausgehen muss, könnt ihr euch auch diskret das kleine Handtuch vor euer Tattoo halten, bis ihr im Wasser seid. Ich habe mein Tattoo an der Hüfte zusätzlich mit Sport-Tape abgeklebt. Im Nachhinein muss ich aber sagen, dass das – bei kleinen bis mittelgroßen Tattoos, die ohnehin im meist trüben Wasser verschwinden – nicht unbedingt nötig gewesen wäre.

Welche Onsen erlauben Tattoos? Eine kleine Auswahl

Wenn ihr auf Nummer sicher gehen wollt, könnt ihr euch auch direkt ein Badehaus aussuchen, in dem Tattoos nicht gegen die Onsen-Etikette verstoßen. Dazu gehören in und rund um Tokio zum Beispiel:

Matsu no Yu

Ein kleines aber feines Onsen mit zwei Außenbecken (eines für Frauen, eines für Männer) in einem kleinen Garten. Auch eine Sauna gibt es hier. 100% Quellwasser.

Von 15.00-1.00 Uhr morgens (10.00-24.00 Uhr sonntags). Montags Ruhetag, außer an Feiertagen.

Tel.: + 81(0) 3 37 83 18 32

Adresse: Tokio Shinagawa-ku Togoshi 6-23-15

Anfahrt: Linie Tokyu Oimachi, am Bahnhof Nakanobu aussteigen, dann 2 Minuten Fußweg.

Tsuru No Yu

Im Bezirk Edogawa in Funabori. Kleines und sehr traditionelles Onsen mit einem Außenbecken. 100% Quellwasser.

Von 15.00-24.00 Uhr. Mittwoch Ruhetag.

Preise: 460 Yen Erwachsene, 180 Yen Kinder; 300 Yen Sauna.

Tel.: +81 (0) 3 36 89 06 76

Adresse: Tokio, Edogawa-ku, Funabori 2-11-16

Anfahrt: Linie Toei Shinjuku, am Bahnhof Funabori aussteigen, dann ungefähr 5 Minuten zu Fuß.

Otome Yu

Ebenfalls im Bezirk Edogawa in Funabori. Eine kleine, einfache und traditionelle Einrichtung in einem Arbeiterviertel – trotzdem gibt es Außenbecken und Saunen. Keine Sorge: Das Wasser ist nur dunkelbraun wegen der Mineralien.

Von 15.00-0.00Uhr (Sonntags 14.00 -23.30 Uhr) Montags geschlossen.

Preise: 450 Yen Erwachsene, 180 Yen Kinder

Adresse: 7-3-13 Funabori, Edogawa Ku, Tokio

Anfahrt: Linie Toei Shinjuku, am Bahnhof Funabori aussteigen, dann etwa 9 Minuten zu Fuß.

Kugahara Yu

Ein 60 Jahre altes Familienunternehmen – klein aber sehr schön. Tolle Mosaiken vom Fuji schmücken die Wände. Es gibt verschiedene Becken, Saunen und ein Rotenburo (Außenbad) mit schwarzem, karbonhaltigem Wasser. Auch auf einen Whirlpool könnt ihr euch freuen. Geht lieber unter der Woche dorthin, am Wochenende wird es sehr voll.

Von 14.00-24.00 Uhr. Samstag/ Sonntag von 12.00-24.00Uhr. Montags Ruhetag.

Adresse: 2-14-15 Kugahara, Ota-ku

Anfahrt: Bahnhof Kugahara auf der Linie Tokyu Ikegami, dann mit dem Bus Tokyu bis Haltestelle Anjoji-mae, 1 Minute zu Fuß.

Tel.: +81 (0) 3 37 54 44 52

Yamato no Yu

In der Nähe des Flughafens Narita liegt ein traumhafter Onsen, den ihr zum Beispiel auch während einem längeren Transitzeit besuchen könnt. Das Bad hat sogar mehrere Etagen, verschiedene Wasserbecken, mehrere Rotenburo (Außenbäder) und eine Sporthalle. Es werden auch Massagen angeboten. Bitte beachten: Kinder unter 6 Jahren haben leider keinen Zutritt.

Täglich von 10.00-22 Uhr geöffnet.

Preise: 800 Yen Erwachsene (Wochenende und Feiertage: 1000 Yen), 300 Yen Kinder

Adresse: Chiba-ken, Narita-shi, Otake 1630

Tel.: +81 (0) 4 76 28 81 11

Anfahrt von Tokio (75 Minuten): Am Bahnhof Tokio die Linie Sobu nehmen, in Chiba umsteigen. Mit der Linie Sobu bis zum Bahnhof JR Narita, umsteigen in die Linie JR Narita, am Bahnhof Shimouza Manzaki aussteigen, dann 20 Minuten zu Fuß.

Anfahrt vom Flughafen Narita (15 Minuten): Linie Keisei, am Bahnhof Keisei Narita umsteigen in die Linie JR Narita, am Bahnhof Shimouza Manzaki aussteigen, dann 20 Minuten zu Fuß. Alternativ einfach ein Taxi nehmen.

Gotemba Onsen Kaikan

Der Onsen liegt am Fuße des Fuji und bietet einen phänomenalen Blick auf den Vulkan.

Von 10.00-22.00 Uhr (Eintritt bis 21 Uhr). Montags geschlossen.

Preise: 800 Yen für den Tag, 500 Yen für 3 Stunden

Adresse: Shizuoka-ken, Gotemba-shi, Fukusawa

Anfahrt: Kostenloser Zubringer vom Bahnhof Gotemba.

Mehr Informationen und Tattoo-freundliche Onsen findet ihr hier.

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Das Bad im Onsen ist ein Muss für eure Japan Reise

Ganz untypisch für Japan: Trotz strenger Onsen-Etikette gibt es in den Bädern keine Hierarchien. Der strikte Verhaltenskodex wird hier stark gelockert und Chefs und Praktikanten baden quasi auf Augenhöhe miteinander. So ähnlich werdet ihr euch auch als Tourist in Japan fühlen. Während ihr – besonders in ländlichen Regionen – von Einheimischen zwar freundlich empfangen aber doch immer kritisch beäugt und wie Exoten behandelt werdet, sind im Onsen auf einmal alle gleich. Meiner Meinung nach gibt es deshalb keinen besseren (und entspannenderen) Weg, ganz tief in die japanische Kultur einzutauchen. Ich wünsche euch jedenfalls jetzt schon viel Spaß dabei und hoffe weiterhin so sehr, dass Reisen nach Japan und in die Welt nach dem Corona-Albtraum bald wieder möglich sind.

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2 Antworten auf “How to Onsen: Ein Guide für Japans heiße Quellen

  • Thomas Ferro

    Hallo,
    so habe ich die Onsen auch erlebt. Wir haben Hotels mit Onsen gebucht. Einmal gab es bei den Frauen im Onsen Sake (bei den Männern leider nicht). Sehr schön habe ich den Onsen mit Blick auf den Fuji in Erinnerung.
    Eine Reise nach Japan lohnt sich.
    Liebe Grüße
    Thomas

    Antworten
    • Franzi

      Hi Thomas,
      auf meiner Kyushu Reise hatten auch alle Hotels einen Oasen – das war immer so traumhaft nach einem langen Sightseeing-Tag 🙂 Das mit dem Fake ist mir leider noch nie passiert.
      LG
      Franzi

      Antworten

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