Puresurfcamps: Wellen und Yoga am wilden Atlantik

Ihr Lieben, ich habe die 30 nun schon vor einiger Zeit geknackt. Und tatsächlich gibt es mittlerweile ein paar Dinge, die ich ganz oder größtenteils aus meinem Leben verbannt habe. Zum Beispiel durchzechte Nächte im Club, aber auch Mehrbettzimmer im Hostel oder nervtötende Fahrgemeinschaften, um beim Bahnticket ein paar Euro zu sparen. Gerade weil ich meine Standards beim Reisen in den letzten Jahren hochgeschraubt habe, war ich mir relativ sicher, dass die Ära Surfcamp für mich vorbei ist. Dass es aber auch Surfcamps für „Erwachsene“ mit deutlich mehr Komfort gibt, hatte ich ehrlich gesagt überhaupt nicht auf dem Schirm – bis ich diesen Sommer eines kennenlernen durfte. In diesem Post erzähle ich euch heute von meiner Woche im Puresurfcamp Moliets-Plage.

Surfcamps – bin ich nicht langsam zu alt dafür?

Woran denkt ihr, wenn ihr das Wort Surfcamp hört? Ich muss gestehen, dass sich in meinen frühen 20ern ein paar Bilder verfestigt haben. Von betrunkenen Teenagern, Achter-Dorms und Surflehrern, die aussehen, als hätten sie selber die zehnte Klasse noch nicht bestanden. So habe ich meine Surfwochen auf Fuerteventura, in Australien und in Neuseeland erlebt. Und es war eine tolle Zeit, die ich nicht mehr missen, mit über 30 allerdings auch nicht unbedingt wiederholen möchte.

Dass es mittlerweile auch ganz andere Angebote für verschiedene Zielgruppen gibt, ist ein bisschen an mir vorbeigegangen. Eine kurze Google-Suche hat mir allerdings schnell auf die Sprünge geholfen: Surfcamps für Frauen, für Familien, für Yogis, für Veganer, für Menschen mit Hund und für alle, die ihre Teenager-Jahre längst hinter sich gelassen haben. All das waren nur einige der Angebote, die ich auf die Schnelle gefunden habe.

Moliets-Plage: Surfen und Yoga - meine Erfahrungen im 24+ Puresurfcamp - Surfkurs

Zum Surfen ist man nie zu alt – für ein Surfcamp auch nicht?

Surfen für „Erwachsene“: Das 24+ Camp von Puresurfcamps

Auch Puresurfcamps hat Surfurlaub für „Erwachsene“ im Angebot. Zum Beispiel das 24+ Surfcamp in Moliets-Plage, in dem wir im August für eine Woche zuhause waren. Unsere Entscheidung haben wir dabei nicht nur von der Altersgrenze abhängig gemacht. Im Sommer ist das Wellenangebot in Europa leider relativ eingeschränkt und Moliets-Plage gehört zu den wenigen Destinationen, die auch in der heißen Jahreszeit gute Bedingungen zu bieten haben. Seit meinem zweiwöchigen Frankreich-Roadtrip bin ich außerdem bis über beide Ohren verliebt in das Land und habe mich riesig gefreut, in diesem Jahr noch einmal dorthin zurückzukehren. Last but not least war es auch das tägliche Yoga-Angebot, das uns letztendlich überzeugt hat. Denn Yoga ist für mich die perfekte Ergänzung zu jedem Sport, der mit Adrenalin und Action einhergeht.

Während das „klassische“ Surfcamp am „Camping Les Cigales“ Campingplatz in Moliets-Plage schon länger besteht, wurde das 24+ Surfcamp erst 2019 neu eröffnet. Es liegt separat vom Hauptcamp und bietet statt Zelten komfortable Mobile Homes mit Küche, Bad und Veranda. Im Buchungspreis enthalten sind der Boardverleih, ein Outdoor Gym, tägliche Yoga-Sessions und Fitnesskurse. Wer möchte, kann sich außerdem Fahrräder und Skateboards ausleihen. Verpflegung in Form von Frühstück, Abendessen und auf Wunsch ein selbst geschnürtes Lunchpaket sind ebenfalls inklusive. Beim Essen werden immer auch vegetarische und vegane Alternativen angeboten.

Moliets-Plage: Surfen und Yoga - meine Erfahrungen im 24+ Puresurfcamp

Die Outdoordusche war mein tägliches Highlight im 24+ Surfcamp

Moliets-Plage: Surfen und Yoga - meine Erfahrungen im 24+ Puresurfcamp

Unser Zuhause in Moliets-Plage: Die Mobile Homes im 24+ Camp

Wer nach dem Surfen noch Energie hat, kann im Outdoor Gym trainieren

Moliets-Plage: Surfen und Yoga - meine Erfahrungen im 24+ Puresurfcamp

Der Essbereich im 24+ Puresurfcamp Moliets-Plage

Surfen bis zum Umfallen am wilden Atlantik

Wer auf eigene Faust surfen gehen möchte, kann sich im 24+ Surfcamp nach Lust und Laune Surfboards ausleihen und im Lauf der Woche auch verschiedene Shapes und Materialien ausprobieren. Eine super Gelegenheit also, um vielleicht sogar das ganz persönliche Lieblingsboard ausfindig zu machen. Alternativ kann auch ein Surfkurs für Anfänger, Intermediates oder Fortgeschrittene gebucht werden. Weil ich nach Jahren total eingerostet war und meine Begleitung noch blutiger Anfänger, haben wir uns für diese Option entschieden.

Fünf Tage lang ging es für uns täglich rund zwei Stunden ins Wasser. Die Traumbedingungen der Vorwoche hatten wir dabei leider knapp verpasst und statt schönen Beachbreaks erwartete uns am ersten Tag ein brodelnder Hexenkessel. Weil die Bedingungen ein einigermaßen sauberes Surfen quasi unmöglich machten, nutzte unser Surflehrer die Gelegenheit, erstmal einen Großteil der Theorie mit uns durchzukauen. Am nächsten Tag hatte das Meer sich dann zum Glück beruhigt und ich war total happy, nach so langer Zeit endlich mal wieder länger auf dem Board zu stehen.

Im Puresurfcamp Moliets-Plage kommen auf einen Surflehrer maximal acht Schüler. Dabei sind alle Surflehrer ausgebildete Lifeguards und von der International Surfing Association zertifiziert. Von unserem Surfcoach war ich ziemlich begeistert. Obwohl er den Kurs super lustig gestaltet hat, war er extrem professionell und konnte Theorie und Praxis gut rüberbringen. Ein echter Spagat also, den meiner Meinung nach bei Weitem nicht alle Coaches auf die Reihe bekommen. Obwohl wir in unserer Woche nur an zwei Tagen gute und sonst eher mäßige Bedingungen hatten, hat uns der Surfkurs viel Spaß gemacht und ich hatte wirklich das Gefühl, jeden Tag ein Stück voranzukommen. Dabei hilft zusätzlich auch die Videoanalyse, die im Surfkurspaket enthalten ist.

Moliets-Plage: Surfen und Yoga - meine Erfahrungen im 24+ Puresurfcamp - Surfkurs

100 % Glücksgefühle nach zwei Stunden Surfen in tollen Bedingungen

Moliets-Plage: Surfen und Yoga - meine Erfahrungen im 24+ Puresurfcamp - Surfkurs

Vor und nach dem Surfkurs kann jederzeit auch frei gesurft werden

Moliets-Plage: Surfen und Yoga - meine Erfahrungen im 24+ Puresurfcamp - Surfkurs

Auch bei kleinen Wellen hat es richtig viel Spaß gemacht im Wasser

Moliets-Plage: Surfen und Yoga - meine Erfahrungen im 24+ Puresurfcamp - Surfkurs

Zwei Tage lang hatten wir auch Glück und echte Traumbedingungen

Yoga im 24+ Puresurfcamp Moliets-Plage

Obwohl mir das Surfen wahnsinnig viel Spaß gemacht hat, muss ich gestehen, dass die täglichen Yogastunden doch mein heimliches Highlight waren. Ich liebe Outdoor-Yoga an der frischen Luft – am Strand oder auf anderen unebenen Untergründen finde ich es aber schwer, mich auf mich selbst und die Bewegungen zu konzentrieren. Deshalb war ich ziemlich begeistert, dass im Puresurfcamp Moliets-Plage ein nahezu perfekter Ort für die Yogapraxis existiert: Ein schattiges Wäldchen, mit relativ hartem, ebenen Untergrund und einem wunderbaren Pinienduft, der dort in der Luft liegt.

Der Yoga-Unterricht dauert eine Stunde und findet zweimal täglich statt. Bei der Planung wird darauf geachtet, dass es jede Surfschulgruppe mindestens einmal pro Tag zu einer Yoga-Stunde schafft. Das Yoga selbst ist sehr entspannend und auf angenehme Dehnungen und Kontrastbewegungen zum Surfen ausgelegt. Perfekt also, um einem fiesen Muskelkater nach der täglichen Wasserschlacht vorzubeugen. Ich war ziemlich überrascht, dass ich trotz täglich mehreren Stunden im Wasser weder Kopf- noch Nackenschmerzen hatte. Die begleiten mich sonst nämlich immer, wenn ich intensiv Wassersport betreibe.

Moliets-Plage: Surfen und Yoga - meine Erfahrungen im 24+ Puresurfcamp

Jeden Tag Yoga im Pinienwald – so fit habe ich mich lange nicht mehr gefühlt

Über das französische Küstendorf Moliets-et-Maa

Moliets-et-Maa ist ein französisches Dorf mit 1162 Einwohnern, das an der schönen Atlantikküste gelegen ist. Der Ortskern befindet sich in Kiefernwälder eingebettet etwa drei Kilometer landeinwärts. Direkt am Meer liegt Moliets-Plage, das Jahr für Jahr jede Menge Strandurlauber und natürlich auch Surftouristen anzieht. Die meisten von ihnen wohnen auf einem der beiden großen Campingplätzen, für die Moliets-et-Maa in ganz Europa bekannt ist.

Das Highlight in Moliets-Plage ist der scheinbar endlos lange, breite und feinsandige Strand. Er ist gesäumt von Pinienwäldern und von einem breiten Fluss durchzogen, der mitten im Sand eine Lagune entstehen lässt. Zum Strand geht es über eine große Promenade, die viele Restaurants, Cafés, Shops und Supermärkte beherbergt. Abends ist hier einiges an Nachtleben geboten – zum Beispiel bei Livemusik oder in einer der vielen Surferbars. Mein liebster Moment des Tages war der traumhafte Sonnenuntergang, den wir in Moliets-Plage jeden Abend erleben durften. So schön, wenn erst der leuchtend rote Feuerball ins Wasser fällt und dann der Himmel zu brennen beginnt.

Moliets Plage: Fluss am Strand

Der Fluss teilt den Sandstrand und formt eine idyllische Lagune

Moliets et Maa: Strand zum Sonnenuntergang

Mein liebster Moment des Tages: Der Sonnenuntergang am Strand

Ausflüge nach San Sebastián und Biarritz

Mit Surfen, Yoga und faulen Stunden am Strand war es uns definitiv nicht langweilig im 24+ Surfcamp. Aber Moliets-et-Maa ist einfach so schön gelegen, dass der ein oder andere Abstecher einfach drin sein sollte. Das Puresurfcamp Moliets-Plage bietet jede Woche zwei Ausflüge an. Wir haben uns für einen Tag in San Sebastián entschieden, denn die Nachbarstadt Bilbao zählt zu meinen liebsten europäischen Städten und von Donostia (der baskische Name von San Sebastián) habe ich schon so viel Gutes gehört. Enttäuscht wurden wir definitiv nicht. San Sebastián ist ein traumhaft schöner Küstenort. Mit atemberaubenden Ausblicken, leckerem Essen und vielen historischen Sehenswürdigkeiten.

Mein persönliches Highlight sind die vielen kleinen Pintxos Bars, die in der Stadt an jeder Ecke zu finden sind. Ähnlich wie Tapas handelt es sich dabei um kleine Häppchen, die traditionell mit einem Getränk an der Bar verzehrt werden. Den Abend über zieht man dann von Bar zu Bar und nimmt sich immer wieder ein paar Pintxos – bis man irgendwann satt und oft auch ziemlich betrunken ist. An dieser Stelle will ich aber erstmal nicht weiter erzählen, denn über San Sebastián wird es noch einen separaten Artikel geben. Ein anderer Ausflug, den das Puresurfcamp Moliets-Plage organisiert, geht übrigens nach Biarritz – hier gibt es auch einen Stopp in den Surfoutlets von Hossegor.

Promenade von San Sebastian

Die Promenade von San Sebastián – und am Stadtstrand kurz ins Wasser springen

Donostia - San Sebastian - Stadtstrand - Ausblick vom Monte Igueldo

Vom Monte Igueldo in San Sebastián hatten wir einen wunderbaren Ausblick

Die Anreise: So kommt ihr ins Puresurfcamp

Die Anreise im 24+ Surfcamp ist immer Samstags. Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten, nach Moliets-et-Maa zu kommen. Die einfachste ist mit dem eigenen Auto direkt von Deutschland aus. Alternativ könnt ihr zum Beispiel den TGV oder einen Flug nach Biarritz, Bordeaux oder Toulouse nehmen und von dort aus mit dem Leihauto weiterfahren. Transfers von und nach Biarritz und Bordeaux werden von Puresurfcamps gegen Aufpreis angeboten. Wir hatten einen relativ günstigen Mietwagen und fanden es toll, die Woche über mobil unterwegs zu sein. Eine weitere Möglichkeit ist die Busfahrt ab Deutschland, die im Reisepreis bereits enthalten ist.

Moliets-Plage: Surfen und Yoga - meine Erfahrungen im 24+ Puresurfcamp - Sonnenblumenfeld Südfrankreich

Ein Mietwagen lohnt sich, um die Landschaften in Südfrankreich zu erkunden

Mein Fazit zum 24+ Puresurfcamp Moliets-Plage

Wir hatten eine tolle Woche im 24+ Camp von Puresurfcamps und es war wirklich toll, endlich wieder Zeit im Wasser zu verbringen. Meiner Meinung nach ist Surfen und Yoga die perfekte Kombination für einen sportlichen aber trotzdem erholsamen Urlaub. Von der Altersstruktur her waren die Gäste im 24+ Surfcamp zwischen 25 und 40 Jahre alt. Eine toll gemischte Gruppe also, die eher an gemeinsamer Surfaction und Entspannung als an wilden Partys interessiert war. Die Mobile Homes waren ein guter Kompromiss aus Camping und Komfort und mit unseren Mitbewohnern hatten wir eine tolle Zeit und viele lustige Abende.

Das Puresurfcamp Moliets-Plage und ganz besonders das 24+ Camp kann ich euch definitiv empfehlen, wenn ihr gerne mehrere Tage am Stück surfen und statt auf eigene Faust lieber unter professioneller Anleitung ins Wasser gehen möchtet. Von der Hauptreisezeit (wir waren im August in Moliets-Plage) würde ich euch tendenziell aber eher abraten. Zwar hatten wir tolles Wetter und auch die Bedingungen waren ganz in Ordnung. Im Line-Up war es aber sehr, sehr voll. Und da die vielen Anfänger größtenteils noch unkontrolliert unterwegs waren, gab es im Wasser öfter ziemliches Chaos. Für Moliets-Plage wurden uns von den Surfern vor Ort stattdessen die Monate April, Mai und ganz besonders der frühe Herbst (nach Ferienende) empfohlen.

Moliets et Maa: Strand zum Sonnenuntergang

Am Abend brennt der Himmel: So schön ist die französische Atlantikküste

Moliets et Maa: Strand zum Sonnenuntergang

Offenlegung: Zu dieser Reise wurde ich gemeinsam mit meiner Begleitung von Puresurfcamps eingeladen. Meine Meinung bleibt davon wie immer unbeeinflusst. 

4 Antworten auf “Puresurfcamps: Wellen und Yoga am wilden Atlantik

  • Step

    Schön zu sehen, dass auch du langsam älter wirst 🙂 Wenn man 20 ist kann man sich nie vorstellen, dass sich die Interessen und die Persönlichkeit selbst mit über 30 mal ändern werden, aber es ist definitiv so, bei fast jedem Menschen werden die Prioritäten andere.

    Die Sonnenuntergänge an der französischen Westküste sind wirklich traumhaft, ich hatte dort auch in Biarritz einen der schönsten meines Lebens. Ebenso fand ich San Sebastian sehr charmant. Ein schöner Artikel, auch wenn ich selbst mich mehr den Elementen Luft und Erde verbunden fühle und daher lieber am als im Wasser anzutreffen bin (also eher auch nicht auf einem Surfboard) :-))

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  • Julita

    Ich bin seit einiger Zeit eine stille Leserin. Die Küstenbilder sowie Dein rotes Kleid sind jedoch so toll, dass ich ein Kommentar hinterlassen musste 🙂
    Das ist wahr – mit dem Alter ändern sich die Persölichkeit und die Interessen. Auch schon vor dem 30. Lebensjahr! Super, dass Du weiterhin aktiv bleibst und an einem Camp teilgenommen hast.

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  • Luka Rjolli

    DIe Bilder sind wunderschön. Da kriegt man richtig Fernweh. Ich wollte immer schon mal einen Srufkurs machen, bin bis jetzt aber nicht dazu gekommen. Kannst du noch andere Camps empfehlen?

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